Gesundheit für Körper und Geist ...

Ein warmes Rinnsal pendelt beständig zwischen den beiden Schläfen und schmeichelt der Stirn. Zwei Hände streichen das Öl mit kräftigem Duft behutsam über die Haare in eine Mulde: das Shirondara, übersetzt der Königsguss. Die Gesichtsmuskeln lösen sich, der Geist lässt sich gehen, der Körper entspannt...

Schon die erste Erfahrung mit der ayurvedischen Heilmethode ließ mich staunen - die Eingangsuntersuchung beim ayurvedisch aus­ge­bil­de­ten Arzt. Anhand einer Puls­diag­no­se und einem prüfenden Blick auf Haare, Fingernägel und Pupillen konnte dieser mit verblüffender Treffsicherheit meine gesundheitlichen Schwächen nennen. Im anschließenden Gespräch wurde dies noch präzisiert und mein persönliches Gesundheits- und Ernährungsprogramm festgelegt.

Die ersten Tage dienen voll der Reinigung und Entschlackung des Körpers. Kopf-, Gesichts- und vierhändige Körpermassagen, Kräuter - und Dampfbäder führen zu einer woh­li­gen Schläfrigkeit und machen Platz für heilende Kräfte. Doch auch der Geist beginnt, alte Schlacken abzubauen. Ich träume in der Nacht sehr intensiv - erlebte Bilder und Szenen tauchen hinter den geschlossenen Augen auf.

Inzwischen habe ich mich in der familiären Atmosphäre der Lotusvilla richtig eingelebt. Lange Spaziergänge am kilometerlangen Sandstrand oder sich einfach die Zeit zum Lesen zu nehmen und sich mit einer Tasse Tee in eine ruhige Ecke des Gartens zurück zu ziehen, machen das Leben in der Lotusvilla angenehm. Durch die gemeinsamen Mahlzeiten, die extra für uns organisierten abendlichen Veranstaltungen wie einheimische Musik oder Feuertänze, und die einmal pro Woche stattfindenden Ausflüge lerne ich schnell die anderen Mitglieder der Lotusvilla Familie kennen und wir werden direkt zu einer eingeschworenen Gemeinschaft.

Nach der ersten Woche merke ich, wie neue Energie in mir emporsteigt. Mehr und mehr freue ich mich auf die täglichen Massagen: Hände, sanft und kräftig zugleich, sal­ben die Haut mit speziell für meinen Typ zusammengesetzten Ölen. Immer öfter ist es dann da, was im Alltag so oft fehlt - die Gelassenheit und das innere Gleichgewicht. Diesen Augenblick zu nutzen, ihn immer öfter zu finden, wenn möglich dauerhaft zu bewahren, das ist Ziel des Ayurveda. Yoga-Übungen helfen mir, diesen Zustand leichter zu erlangen und mir wird klar, dass ich schon allein mit diesen Übungen eine wichtige Erfahrung mit nach Hause nehmen werde.

Schneller als gewünscht ist der letzte Tag meiner Ayurveda Kur gekommen. In der Lotusvilla wird dieser Tag - der Abschluss der Ayur­ve­da­kur - zur Zeremonie. Die Frauen ziehen morgens mit großen Körben los, um besondere Kräuter und Blüten zu sammeln. Die Wannen, sonst für dunkle Kräuterbäder genutzt, werden mit kühlendem Wasser, duftenden Essenzen und einem Meer aus Blüten geschmückt. Mein Name ist in der Mitte der Wanne mit rotem Hibiskus in den Blumenteppich geschrieben. Eigentlich viel zu schade, um in die Wanne zu steigen.

Mit einem eigens für mich ausgefülltem Essensplan, Medizin für den nächsten Monat und Verhaltensregeln für eine vernünftige Le­bens­wei­se verlasse ich nach zwei Wochen gestärkt und mit neuer Kraft die Lotusvilla. Doch ein Souvenir entdecke ich erst, als ich zu Hause den Kof­fer auspacke - mein Bikini duftet noch einige Wochen danach nach den Essenzen des Blütenbades.

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